Kommentar: Quo vadis, WoW?

Fast zwei Jahre ist es nun her, dass ich mit World of Warcraft aufgehört habe, kurz vor Erscheinen des Addons „Cataclysm“. Genug Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen, was sich in der Zeit in dem Spiel getan hat. Mit Erscheinen von Patch 5.0.4, dem vorbereitenden Patch für das nächste Addon „Mists of Pandaria“, mit dem vieles überarbeitet worden sein soll, habe ich mir dann einen kostenlosen Testaccount angelegt, um das mit eigenen Augen betrachten zu können.

Es wurde seitens Blizzard nicht zu viel versprochen, es hat sich einiges geändert. Die auffälligste Änderung: Es gibt keine Talentbäume mehr. Stattdessen läuft das jetzt so: Ab Level 10 entscheide ich mich für eine Spezialisierung, das kannte man ja schon von „Cataclysm“. Ab Level 15 kann man dann unabhängig von der Spezialisierung das erste Mal aus einem von drei Verbesserungstalenten wählen, und so geht das dann alle 15 Level weiter, jedes Mal eines von drei Talenten. Spezialfähigkeiten, die man früher über die Talentbäume freigeschaltet hat, werden je nach Spezialisierung jetzt automatisch erlernt. Die Klassenlehrer sind zu NPCs verkommen, die einem nur noch ein paar belanglose Dinge erzählen, sonst nichts.

Die drei Talente, unter denen man wählen kann, haben jeweils immer den selben Themenschwerpunkt, man entscheidet sich letztendlich nur für eine von drei konkreten Ausprägungen.

Beispiel Paladin: Unabhängig von meiner Spezialisierung kann ich ab Level 15 zwischen folgenden drei Talenten wählen:

  1. Geschwindigkeit des Lichts: Erhöht Euer Bewegungstempo 8 Sekunden lang um 70%
  2. Der lange Arm des Gesetzes: Erfolgreiches Wirken Eures Zaubers „Richturteil“ erhöht Euer Bewegungstempo 3 Sekunden lang um 45%
  3. Streben nach Gerechtigkeit: Euer Bewegungstempo wird dauerhaft um 15% erhöht, außerdem wird es pro Aufladung heiliger Kraft bis zu einem Maximum von 3 um zusätzlich 5% gesteigert.

So in der Art geht es bis Level 90 weiter, und das gilt für alle Klassen. Als ich das mit meinem Testaccount sah, konnte ich es ehrlich gesagt nicht glauben, und hielt es für eine Vereinfachung für Testaccounts, für einen Anreiz auf ein Abo mit mehr Möglichkeiten. Also kurzerhand meinen alten Account für einen Monat reaktiviert und einen meiner Level 80 Twinks gestartet und ein paar Level gespielt. Und hier das selbe Bild: Keine Talentbäume mehr, sondern eins aus drei alle 15 Level. Das Ganze fühlt sich an wie ein weiteres Glyphensystem, mit dem man einzelne Zaubersprüche weiter verändern kann und hat die Komplexität eines Diablo 3 Talentbaums, also keine.

Inzwischen hat Blizzard die WoW-Webseite auch überarbeitet, so dass man auch online das neue „Talentsystem“ ansehen kann.

Ich frage mich, wohin diese ganze Simplifizierung führen soll. Früher konnte man sehr detailliert an den Fähigkeiten seines Chars feilen, und man hat die Unterschiede in den Skillungen stark gespürt. Die Spielweise fühlte sich je nach Skillung sogar komplett unterschiedlich an, man hat Zeit am Talentrechner und an den Übungspuppen verbracht, um das letzte aus seinem Char zu holen. Und heute? Man wählt aus einer von drei Spielarten, verbessert eine handvoll Skills über Talente und Glyphen, hat aber die selben Fähigkeiten wie jeder andere mit der Spezialisierung. Die Klassenvielfalt ist dadurch stark eingeschränkt, die Individualität und auch die Herausforderung schwindet. Es ist egal, wie stark man sich mit den Fähigkeiten seiner Klasse auseinandersetzt, es lohnt auch nicht mehr.

Bei so viel Vereinheitlichung kommt bei mir eine ganze Menge Langeweile durch, und wenn ich meine aus Zeitgründen eingelegte MMO-Pause wieder beende, werde ich zu Rift oder SWTOR, die beide deutlich Bessere Möglichkeiten der „Charakterbildung“ bieten, zurückkehren, aber sicher nicht zu WoW.

2 Gedanken zu „Kommentar: Quo vadis, WoW?“

  1. Moin,

    Danke für den Hinweis, damit (und wegen der Pandabären) scheidet WoW für mich endgültig auch aus.

    Ich werde wahrscheinlich erstmal zu Rift zurückkehren, die Testtage waren ganz angenehm.
    Letztendlich hängt aber vieles von der Gilde ab, die es zu finden gilt.
    Schade, dass es in SWTOR so abrupt mit der Gilde zuende ging.

    Gruß
    J.

    1. Ja, die Gilde war irgendwie von heute auf morgen Geschichte, sehr phänomenal und sehr schade, hatte wirklich Spaß gemacht.

      Das Kung-Fu-Panda Zeugs ist auch nichts für mich, die wegrationalisierten Talente haben da ihr Übriges bewirkt. Ich bleibe erst mal offline und vergnüge mich mit Skyrim, und warte mal ab, wie SWTOR free2play wird. Ich finde aktuell zu wenig Zeit für Onlinegames, da will ich ungerne Geld für Abos ausgeben.

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